Antibiotika bei Hund, Katze und Huhn - Bewusstseinsbildung ist wichtig!

In den letzten Monaten habe ich in meinem Freundeskreis viele Diskussionen über Antibiotikaresistenzen geführt. Meist haben solche Gespräche beim Essen begonnen. „Was Du isst noch Hühnerfleisch?“, wurde ich gefragt.

Die Diskussion um die Verwendung von Antibiotika erfordert eine verantwortungsvolle Debatte

In den letzten Monaten habe ich in meinem Freundeskreis viele Diskussionen über Antibiotikaresistenzen geführt. Meist haben solche Gespräche beim Essen mit Kommentaren nach dem Motto: “Was Du isst noch Hühnerfleisch? - Ich schon lange nicht mehr! - Wegen der Antibiotikaresistenzen.“ begonnen.

Wenn ich dann nachhackte, musste ich sehr schnell erkennen, dass mein Gegenüber nur wenig bis gar nichts darüber wusste und maximal Halbwahrheiten vertrat.

Bis zum Dessert habe ich dann versucht, meinen Standpunkt zu erklären, um mich dann, in der Hoffnung zumindest den einen oder anderen zum Nachdenken angeregt zu haben, zu verabschieden.

Aber zum Nachdenken worüber angeregt?
Worin besteht die Angst vor Antibiotikaresistenzen und wo ist der Zusammenhang zum Fleisch?

Immer wieder tauchen Untersuchungsergebnisse auf, die gegen Antibiotika resistente Keime (meist ESBL oder MRSA) auf rohem Fleisch nachweisen. Meist ist auch gleich der Schuldige bei der Hand: der exorbitante Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung.

Österreichs Geflügelbetriebe achten gemeinsam mit den Tierärzten auf gesunde Tierbestände!

Bild: QGV

Seriöse Studien lassen solche Pauschalverurteilungen keineswegs zu. Vor allem dann nicht, wenn die Keimbelastungen bei Fleisch aus Bioproduktion ähnlich hoch sind,  wie bei Ware aus konventioneller Haltung. Die Gleichung „Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren = vermehrt antibiotikaresistente Keime beim Verzehr von Fleisch“ geht so nicht auf.

Unbestritten können antibiotikaresistente Keime seit Jahrhunderten bei der Verwendung eines Antibiotikums bei jedem Lebewesen entstehen. Das ist ja auch nur logisch. Auch Bakterien wollen am Leben bleiben, und haben es daher nicht nur gelernt, einen Antibiotikaeinsatz zu überleben, sondern sie sind auch im Stande, diese Überlebensstrategien nicht nur an die eigenen Nachkommen, sondern auch an fremde Bakterienarten weiterzugeben.

Wo sind nun diese Überlebenskünstler und wann werden sie für mich gefährlich?

Wenn ich Humanexperten aus dem AKH lausche, dann steigen meine Chancen bei Auslandsaufenthalten in Regionen wie Indien, Asien aber auch in südlichen europäischen Ländern deutlich, mit einem unerwünschten „Untermieter“ (ungewollten Keim) zurückzukommen. (siehe jährlicher AURES Resistenzbericht; www.aures.at)   

Freiwillige Spitalsaufenthalte in solchen Ländern (zum Beispiel zwecks kostengünstigeren Schönheits-OP´s ) garantieren fast schon solche Mitbringsel.

Aber wo kann ich in meinem Umfeld solche Keime aufreißen? Tierärzte werden in manchen europäischen Spitäler bereits der Risikogruppe der antibiotikaresistenten Keimträger zugerechnet, und vor Routine-OPs eingehend getestet. Vielleicht sollte ich dann Kollegentreffen eher meiden?

Es soll auch immer noch Mitmenschen geben, die sich bei eindeutig viralen Erkrankungen von ihrem Arzt Antibiotika verschreiben lassen, obwohl schon jeder wissen müsste, dass Antibiotika gegen Virusinfektionen nicht helfen.

Andererseits: Wenn meine Katze erkrankt (da sie nicht mehr die Jüngste ist, kommt das leider auch mal vor) und ich mir den Resistenztest der Keime von der Katze ansehe, und ich mich dann gegen die Umwidmung und den Einsatz von Reserveantibiotika wie Carbapeneme zur Wehr setze, diskutiere ich auch schon einmal etwas länger mit meinen Kleintierkollegen über die ausgezeichnete Wirkung solcher Humanpräparate auch bei Katzen.

Ich frage mich dann schon manchmal, warum die Bedeutung der für die Humanmedizin so wichtigen „kritischen Reserve-Antibiotika“ bei der Behandlung von Heimtieren (Katze, Hund u.s.w.) nicht ausreichend ernst genommen wird.

Der Einsatz von Antibiotika bei Geflügel erfolgt nicht „exorbitant“ sondern ausschließlich durch den Tierarzt im Krankheitsfall einer Herde auf Basis einer Diagnose.

Die schon gehörte Forderung, kranken Nutztiere im Rahmen von Markenprogrammen keine veterinärmedizinische Behandlung zu gewähren, widerspricht den gesetzlichen Vorgaben und ist aus ethischer Sicht keineswegs vertretbar. Auch ein krankes Nutztier hat das Recht, adäquat und bestmöglich behandelt zu werden, um nicht leiden zu müssen.

Eine Nichtbehandlung von kranken Tieren, um Vorgaben von Labels und Marketinginteressen gerecht zu werden, ist mit den Anforderungen an das Tierwohl in keinster Weise vereinbar und wäre „Tierquälerei“ im Sinne des Tierschutzgesetzes.

Grafik: Michael Ofner, QGV

 

Mein Argument ist dann immer: „Ich schmuse gerne mit meinen Haustieren und sie lassen sich auch von Besuchern streicheln. Daher sollten sie keine potentiellen Überträger antibiotikaresistenter Keime darstellen.“

Ich plädiere jetzt nicht, jedes Tier und jeden Menschen als mögliche Keimschleuder anzusehen, und ihm aus dem Weg zu gehen, denn da wäre ich ja dann beim bekannten Glassturz oder bei der Maske (die ich immer wieder bei Menschen asiatischer Herkunft auf Flughäfen oder in den Straßen sehe), aber wenn schon Diskussion dann unter Berücksichtigung aller Fakten.

Nur der überlegte, gezielte und verantwortungsbewusste Einsatz von Antibiotika bei Mensch, Haus und Nutztier trägt dazu bei, das Risiko der Antibiotikaresistenzen zu minimieren.

In diesem Sinne freue ich jetzt auf meine Lieblingsspeise: „Hühnerflügerl aus Österreich mit Kartoffelsalat“ beim Wirt meines Vertrauens, der mir die Herkunft des Fleisches auf der Speisekarte garantiert.

 

Dr. Martina Glatzl

Obfrau der QGV

 

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